Interview mit Moritz von kaputt.de

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Ich bin nicht die hellste Leuchte unterm Himmel, was Fehlermeldungen meiner technischen Geräte angeht. Wenn ich das Geld hätte, würde ich aus purer Überforderung am liebsten jedes Mal einfach schnell ein neues Gerät kaufen ;) Weil sich das aber die wenigsten Leute leisten können (ich mir auch nicht) und es schlichtweg nicht gerade umweltfreundlich ist, gibt es kaputt.de.
Wir haben Moritz von kaputt.de mal ein paar Fragen gestellt, um mehr zu erfahren, was er zusammen mit Joseph und Tobias da auf die Beine stellt.

 

KAPUTT.DE

Stell dich und dein Unternehmen doch zuerst mal kurz vor, was ist kaputt.de?

Kaputt.de ist ein Internetportal, das Menschen mit kaputten Smartphones die optimale Lösung für ihr defektes Elektrogerät bieten möchte. Auf unserem Onlineportal findet man Ersatzteile und Anleitungsvideos, so, dass man zuhause sein Smartphone reparieren kann. Die zweite Option ist die Möglichkeit Reparateure zu finden und deren Preise zu vergleichen. Wenn die ersten beiden Optionen einem Kunden noch nicht geholfen haben, kann man ebenso sein kaputtes Handy über unsere Seite verkaufen und ein neues Gebrauchtes erstehen.

 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Ist es das klassische „Ich hab ein Problem und es gibt noch keine Lösung“ ?

Zuerst hatten wir die Idee eine Art Wikipedia für Anleitungen zu konstruieren. Mit dieser Idee haben wir dann einen Preis gewonnen, welches uns den Anreiz gab die Idee weiter auszubauen. Selbst reparieren ist schön, aber der Großteil der Nutzer hat wahrscheinlich kein Händchen oder keine Zeit dafür. Also war schnell klar, dass wir unseren Kunden auf kaputt.de ebenfalls Infos zu Reparaturdiensten und deren Preisen geben müssen.

 

Kennt ihr eure Reparaturwerkstätten persönlich? Wie läuft die Akquise und wonach wählt ihr eure Partner aus?

Ein Teil unserer Reparateure kennen wir tatsächlich persönlich, da wir zu Anfang noch persönlich in manche Läden gegangen sind, um die Reparateure zu akquirieren. Um jedoch effektiver zu arbeiten, sind wir teilweise aufs Telefonieren umgestiegen. Unsere Reparateure wählen wir nach gewissen Kriterien aus, unser Hauptaugenmerk liegt jedoch auf deren Bewertungen in Onlinemedien, ihrer Onlinepräsenz, User-Erfahrungen und dem persönlichen Gesprächen. All das zeichnet ihre Qualität aus.

 

Ende Oktober habt ihr im Rahmen der StartUp Safari euer „Handyfix“ angeboten, wo Leute ihre Handys selbst reparieren konnten. Wird das eine regelmäßige Veranstaltung?

Wir hatten eine Zeit lang jeden Montag eine Fix-Veranstaltung. Dort konnten Kunden ihre Ersatzteile mit unserer Hilfe einbauen. Leider mussten wir diesen Event für weiteres auf Eis legen, da wir derzeit einfach zu wenig Zeit dafür finden. Nach Weihnachten geht es natürlich wieder weiter.

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Wenn ich mein defektes Gerät verkaufen will, kann ich das aktuell nur über Bonavendi machen. Wollt ihr das noch ausdehnen?

Zur Zeit liegt unsere primäre Aufmerksamkeit auf der Erweiterung unserer Produktpalette. Wir möchten den Bereich Smartphone noch mehr ausbauen, um dann weitere Elektrogeräte in unsere Produktpalette auf zu nehmen. Das können Produkte wie Tablets oder Laptops sein. Bonavendi finden wir sympathisch, weil sie als Metasuche die Preise von über 30 anderen Portalen bündeln. Das macht die Entscheidung für den Kunden einfacher.

 

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Wie verdient ihr Geld? Wie ist das Finanzierungsmodell? Läuft es über Provisionen bei Amazon und den Reparatur-Werkstätten?

Richtig, wir finanzieren noch hauptsächlich über das Gründungsstipendium Exist. Unser Ziel ist es langfristig durch Provisionen Geld zu verdienen. Diese erhalten wir durch den Verkauf von Ersatzteilen. In Absprache mit den Reparaturdiensten fahren wir Tests. Einige sprechen sich für Listungsgebührenmodelle, andere für Proviosions- und Leadmodelle aus. Derzeit testen wir auch Rabattgutschein. Wir sind eine junge Firma, da ist viel Trial & Error dabei.

 

Wo seht ihr euch in 3 Jahren? Was plant ihr denn so als nächstes?

Wir sehen uns an der Spitze des Marktes. Zumindest, dass wir uns gut etabliert haben. Wir wollen eine Marke aufbauen, die allen bekannt ist. Wenn kaputt.de mein Smartphone gut repariert, warum dann nicht auch meine Waschmaschine oder meine Kaffeemaschine? Was uns aber alle eint, ist der Wunsch eine Plattform zu haben, die einem hilft die individuell beste Entscheidung zu treffen. Wir wollen eine Seite bauen, die wir selber nutzen, die man benutzt und nachher sagt: “Mensch, die haben mich gut beraten”. Wir freuen uns auch immer über Feedback. Schaut euch die kaputt.de und gebt uns Feedback.

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BERLIN

Wie ist deine persönliche Berlingeschichte? Seit wann und warum bist du in der Stadt?

Ich bin seit 2012 in Berlin und kam hier her um meine Abschlussarbeit fertig zu schreiben. Zudem kommt, das viele Freunde von mir bereits in Berlin leben, die ich aus meiner Studienzeit in Dresden, Tübingen, Kairo und Paris kenne. Ich bin viel unterwegs gewesen und Berlin ist ein Ort an dem alle ein Zuhause finden können.

 

Was magst du an Berlin?

An Berlin gefällt mir besonders, das jeder hier tun und lassen kann was er will, nach dem Motto Leben und Leben lassen. Auch die vielen Subkulturen die nebeneinander existieren reizen mich sehr an dieser Stadt. Da durch bekommt jedes Viertel sein eigenes Flair.

 

Und was magst du weniger, was stört dich?

Was mich an Berlin stört, ist die Größe und die damit verbundenen Distanzen. Auch nervig find ich die Party-Touristen. Aber solange die ihr Ding machen, passts. Ich bin früher auch gerne auf Städtetripps gefahren, sollte Tourismus aber auch zum Ziel haben, sich mit der Stadt und seinen Bewohnern auseinanderzusetzen.

 

Was sind deine Lieblingsorte (Restaurants, Parks, Bars, …) in Berlin?

Gerne gehe ich zu den arabischen Restaurants in der Sonnenalle. Der Alte Rote Löwe Rein in Rixdorf ist für ein Bier im schumrigen Licht nach Mitternacht bestens geeignet. Im Sommer bin ich an den Brandenburger Seen, weil es wohl noch Jahrzehnte dauert, bis wir (die Stadt und ihre Bürger) es hinkriegen, die Spree zum Schwimmbad zu erklären.

 

Was würdest du jemandem empfehlen, der das erste Mal nach Berlin kommt?

Kauft euch ein Fahrrad oder leiht euch ein wenn ihr zu Besuch seit. So kann man die Stadt am besten kennen lernen.

 

Zum Abschluss: Hast du ein Lebensmotto?

Screw it lets do it. Einfach machen. Wenn Du eine Idee hast, von der Du auch nur ansatzweise überzeugt bist, pack es einfach an.


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One Response

  1. Textentwicklung

    Super Text und coole Fotos! Habe auch gerade kaputt.de besucht, da finden sich echt gute DIY-Anleitungen. Das Konzept ist auf jeden Fall ein guter Frontalangriff auf diese unsere Wegwerfgesellschaft – Danke für das Interview.

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