Vietnamesische Restaurants gibt es in Berlin wahrscheinlich mehr als Currywurstläden. Pho ist mittlerweile genauso wenig exotisch wie Döner. Lampions und Bambuspflanzen hat man auch schon öfter gesehen. Es ist nicht leicht sich abzuheben mit Reis und Sommerrollen. Die asiatische Küche boomt. Wenn man vor Überangebot überlegt, das Curry doch in den eigenen vier Wänden zuzubereiten, sollte man sich für die Wände der Brüder Butch und Bubinin der Torstraße 164 entscheiden. Das Royals&Rice bietet nicht nur gemütliche Wohnzimmeratmosphäre, sondern ist gleichzeitig außergewöhnlich ungewöhnlich.

Das Royals&Rice: Kleine Karte, großes Angebot

Auf den ersten Blick erscheint das Royals&Rice wie jedes andere hippe Restaurant in Mitte. Minimalistisch-industrielles Design, viele Pflanzen, holzverkleidete Wände, Kerzen in Einmachgläsern, Ginflaschen als Blumenvasen. Auf Kreidetafeln steht das Wochenmenü, in der Bar hängen Bananenkisten voller Spirituosen. Auf den zweiten Blick entdeckt man die Couches in den Winkeln des Restaurants, die über den Tischen schwebenden Lampen, die ungewöhnlichen Bilder an den Wänden. Die Einrichtung ist nicht nur cool, sondern auch sehr liebevoll. „Alles selbst gebaut“, sagt Butch und grinst. Als sein Bruder und er das Restaurant vor fünf Jahren eröffnet haben, hatten sie kein Geld für einheitliche Möbel oder aufwendiges Design. Die Tischplatten sind recycelt, die Accessoires bunt zusammengewürfelt.

Knackig-frisch: Papayasalat und veganes Suhsi

Auch in der Karte erkennt man die Kreativität und den guten Geschmack der Brüder aus Saigon. Obwohl die Karte sehr übersichtlich ist, lebt sie von experimenteller Vielseitigkeit. Die Vorspeisen sind klassisch. Zwischen Kimchi, Wan Tan und Dumplings entscheiden wir uns für einen Papaya-Salat und die veganen Avocado-Sommerrollen von der Wochenkarte, die mittags 2,50€ und abends 3,50€ kosten. Sommerrollen schmecken, denkt man, wie Sommerrollen eben schmecken, wenn sie gut gemacht sind: frisch und leicht. Nicht im Royals&Rice. Wahrscheinlich ist es die kreative Zutatenkomposition in Kombination mit der würzigen Hosin-Sate-Soße, die diese Sommerrollen so besonders machen. Wir waren positiv überrascht, auch vom knackigen Papaya-Salat mit dem hauseigenen Limetten-Dressing.

Veganes Sushi und preisgekrönte Burger

Warum eigentlich „Royals&Rice“, fragen wir uns, als wir die hausgemachte Granatapfel-Limonade probieren.

„Vietnam ist kein reiches Land. Da kann nicht jeder essen, was er will. Nur Reis. Reis ist für alle da“,

sagt Butch.

Er wollte einen Ort erschaffen, an dem sich jeder alles leisten kann. Im Royals&Rice sind quasi alle Royals. Die Philosophie des Restaurants spiegelt das bunte Klientel wieder. Neben Familien sitzen junge Pärchen, Studentengruppen, Rentner, Geschäftsfrauen. Die Atmosphäre ist so gemütlich, dass man tatsächlich vergessen kann, nicht im eigenen Wohnzimmer zu sitzen. Wir können uns, mit Blick auf die Teller an den anderen Tischen, kaum entscheiden, was wir als Hauptspeise bestellen wollen.

Aus der Qual der Wahl wird die Empfehlung des Hauses

Wir lassen uns von Butch die Entscheidung abnehmen. Auf unserem Tisch landen zarte Rindfilet-Würfel auf knackfrischem Gemüse mit Reis und veganes Sushi. Genauso schön, wie das Essen angerichtet ist, schmeckt es auch. Das Rindfilet ist butterweich und auf den Punkt gebraten. Das Dressing ist eher herb-sauer und mit vielen Kräutern bestückt. Umgehauen hat uns allerdings das vegane Sushi, das in der Karte als „Old Berlin Queen“ angeboten wird. Die Gemüsekombination aus Spargel, Aubergine, Avocado, Tomate und Gurke passt perfekt zu der knusprigen Ummantelung und der fruchtig-frischen Guacamole. Ich bin eigentlich kein großer Sushi-Fan. Hatte aber beim Essen das Gefühl, selten etwas so leckeres gegessen zu haben. Weil die Portionen doch sehr groß sind, haben wir es nicht mehr geschafft, den preisgekrönten Banh Bao Burger zu probieren. „Vier Mal haben wir mit dem schon gewonnen“, sagt Butch und meint das Burgers&Hip-Hop Festival, das sich einst großer Beliebtheit erfreute.

Das Royals&Rice ist nicht nur ein Restaurant, sondern Wohnzimmer, Atelier, Konzertraum

Zwischen Hauptspeise und Dessert brauchen wir eine kleine Pause. Wir haben Zeit, uns im Restaurant umzuschauen, das viel größer ist, als man denkt. Im hinteren Teil befindet sich noch ein extra Zimmer. 140 Leute haben insgesamt Platz. Die Bilder an den Wänden heben sich vom Design des Restaurants ab. „Ja“, sagt Butch und nickt. Alle drei Monate bieten die Brüder einem neuen Künstler die Möglichkeit, in ihrem Restaurant Bilder aufzuhängen, Menschen zu inspirieren und bei Interesse auch zu verkaufen. „So ändert sich unser Restaurant immer wieder, nicht nur auf der Wochenkarte“, sagt er. Und die holzverkleidete Erhebung im linken Teil des Restaurants? „Jazz&Soul“, sagt der Besitzer. Am Wochenende ab 20 Uhr gibt es hier Livemusik. Wohnzimmer, Atelier, Konzertraum: das Royals&Rice ist ein Ort der andersartigen Überraschungen.

Mochi, Matcha und vietnamesischer Kaffee

Wir sind jetzt bereit für den Nachtisch und nach allem was wir gehört haben, noch gespannter. Den vietnamesischen Kaffee, mit karamellisierter Kondensmilch zubereitet. „Müssen wir probieren“. Dazu entscheiden wir uns für Mochi, japanische Reiskuchen mit süßer Bohnenpastetenfüllung, und eine Matcha Crème brûlée. Der Kaffee, importiert aus Vietnam, wird frisch am Tisch aufgegossen, ist sehr stark und durch die Kondensmilch lieblich-süß. Lecker, aber weniger besonders als erwartet. Was uns allerdings geschmacklich überwältigt sind die beiden Desserts. Es lohnt sich, Platz für japanischen Reiskuchen zu lassen. Die Konsistenz ist verrückt und der Geschmack exotisch. Die Bohnenpastete schmeckt wie eine Mischung aus Zartbitterschokolade und Erdnussbutter und ist in Kombination mit dem Reiskuchen einzigartig. Auch die mit Cranberries bestückte Matcha Crème brûlée überrascht uns positiv. Sie ist grün, schmeckt aber weniger intensiv nach Matcha, als sie aussieht. Die Portionen sind üppig und ein wenig zu viel für einen kleinen Nachtisch.

Fazit zum Royals&Rice

Das Royals&Rice lebt von seiner exotischen Andersartigkeit. Butch und Bubin haben es mit ihren bunten Gerichten geschafft, den Geschmack Vietnams neu zu verpacken. Die Küche ist kreativ und authentisch gleichermaßen. Man schmeckt die Energie, das Herzblut und die Liebe zum Detail, die das Restaurant ausmachen. Die Atmosphäre ist gemütlich und herzlich. Ich würde jederzeit wiederkommen: mit meinen Freundinnen, mit meinen Eltern, mit meiner Oma, mit meiner Chefin und mit meinem Date. Das Royals&Rice hat keine Zielgruppe und die moderaten Preise erlauben es fast jedem, in eine Welt einzutauchen, die mehr ist als Curry und Bambuspflanzen.

GOOD TO KNOW

Atmosphäre | Gemütlich, für alle Altersgruppen
Preisniveau | Vorspeisen: 4,00 – 9,00 Euro, Hauptgerichte:  11,00 – 16,00 Euro, Nachtisch: 4,50 EUR
Besonderheiten | Banh Bao Burger war mehrfacher Gewinner bei Burgers&HipHop

KONTAKT

Adresse | Torstraße 164, 10115 Berlin
Haltestelle | U Rosenthaler Platz
Öffnungszeiten | Mo-So: ab 11.00 Uhr