Alles begann in Montreal – Halt! Nein! Eigentlich schon viel früher, aber auch in Quebec. Dort, im ländlichen und französischen Teil Kanadas erfand man in den 1950er Jahren ein etwas seltsames Gericht: Gravy, eine Art Bratensoße, wird über Pommes Frites gegeben und darüber werden Cheese Curds verteilt. Das ganze nennt sich Poutine (mit langem u und langem i, die Verwechslungsgefahr mit russischen Politikern oder einem französischen Schimpfwort sorgt sonst für Verwirrung) und ist ein kanadisches Nationalgericht.

„Poutine“ – Nur echt mit den Cheese Curds im The Poutine Kitchen

Kanadaurlauber begegnen dieser eigenwilligen Kombination immer wieder und mittlerweile auf der ganzen Welt. Auch in Berlin bieten manche ambitionierten Frittenbuden die Poutine an, allerdings fehlt dort eine wichtige Zutat: eben die Cheese Curds. Das ist eine verarbeitete Form des Käsebruchs, die in Deutschland so gut wie unbekannt ist, in den USA und Kanada aber recht weit verbreitet. Man könnte das Geschmackserlebnis mit Halloumi vergleichen – das gleiche Quietschen beim Kauen, allerdings ohne den Salzgeschmack des griechischen Hartkäses.

Der Käse: Die größte Herausforderung für die echte Poutine

Diese Cheese Curds waren auch Holgers größte Herausforderung, als er vor ungefähr zwei Jahren den Entschluss fasste, das Filmgeschäft hinter sich zu lassen und die Poutine in Deutschland groß rauszubringen. Denn niemand stellte Cheese Curds in Deutschland her und sie zu importieren war leider keine Option, aufgrund der strengen Einfuhrbestimmungen für Lebensmittel. Aber ohne Cheese Curds keine Poutine, sagte sich Holger, der das Gericht 2007 in Montreal erstmals kennen gelernt hatte. Ihm ging es um Authentizität, das war er seinen zahlreichen kanadischen Bekannten schuldig. Die sehnten sich nach ihrem Nationalgericht, konnten aber den oft verwendeten Mozzarella als Ersatz für den Quietschekäse nicht akzeptieren.

Zusammenarbeit mit einer hiesigen Käserei

Um also authentische Poutine präsentieren zu können, nahm Holger Kontakt zur Bauernkäserei Wolters im Berliner Umland auf und brachte die Herstellung von Cheese Curds nach Brandenburg. Erste Testläufte, unter anderem mit der kanadischen Botschaft und als Initiator des Canada Days in Berlin, zeigten: Es klappt. Jetzt konnte er mit seiner Poutine Kitchen in Berlin losgehen.

Aber schmeckt das auch dem heimischen Gaumen? Allein die Kombination aus Bratensoße und Pommes wirkt auf viele erstmal… verwirrend, und dann auch noch dieser Käse? Was ist mit der guten, alten Mayonnaise und dem Ketchup? Ein bisschen Skepsis ist nicht verkehrt, aber die knapp 36 Millionen Kanadierinnen und Kanadier werden alle kaum an kollektiver Geschmacksverirrung leiden.

Wir sagen: Eigen, aber lecker

Und in der Tat: Poutine ist ein ganz eigenes, aber leckeres Gericht. So, wie The Poutine Kitchen sein Hauptgericht darreicht, ist es überraschend leicht und nicht der erwartete Hammer aus Käse, Kohlehydraten und Kalorien. Der Gravy ist nicht zu rauchig und fleischig im Geschmack und rundet die eher milden Cheese Curds im Gaumen ab. Die Pommes Frites sind knusprig, weichen aber natürlich durch die Bratensoße nach einiger Zeit etwas durch. Allerdings ist das auch der Fall, wenn Ketchup oder Mayonnaise direkt auf die Kartoffelschnitten gegeben werden, ist also nicht unbedingt ein Minuspunkt

Die Cheese Curds quietschen authentisch beim Zubeißen und verleihen dem Gericht das gewisse Etwas. Ein besonderes Highlight bilden die Deep Fried Cheese Curds: In Bierteig gewälzt und frittiert, werden die Käsestückchen mit echtem Ahornsirup aus Quebec begossen und mit Puderzucker bestreut. Vielleicht erinnert das ganze ein bisschen an Weihnachten, jedenfalls ist diese Variante der Cheese Curds eine ganz besonderes Erlebnis aus herzhaft und süß – unbedingt probieren!

Entwarnung auch für Vegetarier: Der Gravy ist vegetarisch und kommt von einer Saucenmanufaktur in der Region – daher auch die Unterscheidung zur deutschen Bratensoße. Leider gibt es bisher noch keinen Weg, Poutine in ein veganes Gericht zu verwandeln, bedauert Holger. Aber wo möglich stammen die Zutaten aus gentechnikfreiem und regionalem Anbau. Das merkt man zwar im Preis, aber der hält sich insgesamt noch im Rahmen, dass viele Zutaten wirklich so authentisch wir möglich sind.

Ein kulinarischer Außenposten Kanadas

Holger plant zudem, das bereits vorhandene Regal mit kanadischen Spezialitäten auszubauen, so dass Fans nordamerikanischer Produkte ihren Hunger nach Craft-Bier, Ahornsirup aus Quebec und Muschelsaft stillen können. Moment – Muschelsaft? Genau, erklärt Holger, Interessierte können sich an der Theke von The Poutine Kitchen auch einen Cocktail namens Caesar bzw. Bloody Caesar mixen lassen, eine kanadische Version der Bloody Mary. Den mixt man aus Vodka, Chilisoße, Worcestershiresoße, Tomatensaft und Muschelsaft. Die Grundzutat, die Mischung aus Tomaten und Muschelsaft, genannt Clamato, kann man im Laden kaufen.

Daneben gibt es natürlich noch verschiedene Versionen der Poutine, beispielsweise mit Spiegelei, mit Kimchi oder einer Berliner Currywurst. Insgesamt, so Holger, möchte er ein kulinarischer Botschafter Kanadas mit der Poutine sein. In der internationalen Vielfalt der Poutine-Variationen spiegelt sich auch die Vielfalt der deutschen Hauptstadt. Zumindest im Kleinen ist ihm sein Botschafterposten also gut gelungen.

The Poutine auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche

Aktuell macht das Team vom The Poutine Kitchen Halt auf dem Weihnachtsmarkt. Dort hat sogar schon der Botschafter und die General Delegierte von Québec vorbeigeschaut. Ihr könnt dort nicht nur nicht den Genuss der besten Poutine außerhalb Kanadas kommen, sondern auch die Deep Fried Cheese Curds einzeln genießen. Zudem gibt es viele original kanadische Produkte, die sich auch super als Weihnachtsgeschenk eignen.

Fazit zum The Poutine Kitchen

Wer jetzt Lust bekommen hat, seine Pommes mal anders zu probieren, der findet The Poutine Kitchen in der Arminiusmarkthalle in Moabit, täglich von 12 bis 21 Uhr, Donnerstags bis Samstags auch bis 22 Uhr.

*Anzeige | In Kooperation mit The Poutine Kitchen