FluxBau – Geheimtipp in der Spree?

Mit Geheimtipps ist es ja so eine Sache: Zeigt man sich als kleiner Egoist und behält den Geheimtipp für sich, um ihn auch in Zukunft ganz privat genießen zu können? Oder geriert man sich gutherzig seinen Mitmenschen und auch dem Geheimtipp selbst gegenüber und bringt ebenjenen in den Genuss einer Vielzahl von Gästen? Da der FluxBau des Berliner Indie-Senders FluxFM dann wohl doch schon in die Kategorie „stadtbekannt“ (zumindest unter den designierten Hörern des Senders fällt) und nicht mehr ganz unter das Label „Geheimtipp“ passt, fällt es mir daher weniger schwer, heute über diese Event-Location und das dort zuletzt besuchte Event zu berichten. Und das auch auf die Gefahr hin, dass ich zukünftig weniger in den Genuss kommen werde, im FluxBau zu Gast zu sein, weil mir geneigte „Berlin ick liebe dir“-Leser die Gästelistenplätze wegschnappen. Aber das Risiko bin ich – ganz Menschenfreund – bereit einzugehen.

Fluxbau – Die Location

Wer den FluxBau bis dato noch nicht kennt, sollte bei nächster Gelegenheit versuchen, einen Fuß in diese traumhaft gelegene Fabrikcharmelocation an der Spree zu setzen. Der FluxBau erstreckt sich hier über zwei Etagen in einem charmanten alten Industriegebäude und bietet als besonderes Highlight eine Terrasse direkt in der Spree, auf welcher man im Sommer bei einem Kaltgetränk wunderbar flätzen und im Winter, beim regelmäßig am 31.12. stattfindenden „Goldenen Schluss“ die Korken knallen und die Silvesterraketen aus sicherer Entfernung über Berlin aufsteigen sehen kann. Leider hat das Restaurant des FluxBaus, welches in der ersten Etage regelmäßig Mittagstisch und unregelmäßig abendliche Events wie Käsefondues bei Kerzenscheinästhetik angeboten hat, den Betrieb zwischenzeitlich eingestellt. Wenn man der Website glauben darf, soll sich das irgendwann wieder ändern und der Facebookstream des Ladens darüber auf dem Laufenden halten. We’ll see…

Berlin-Fluxbau-FluxFM-Session-Tor-Miller-2

Daher muss man sich momentan auf die wenigen unregelmäßigen Events, die vom Haus- und meinem Leib-und-Magen-Sender FluxFM angeboten werden, konzentrieren. Dieser bietet im FluxBau zuweilen Lesungen, Konzerte oder Parties an und seit dem (vor)letzten Jahr können Wassersportbegeisterte im FluxBau sogar diverse Segel- und Motorbootscheine erwerben. Ich selbst bin ein Fan der FluxFM Session, einer illustren Konzertreihe, in welche Flux in der Regel von ihnen neu entdeckte und/oder lieb gewordene Künstler in Kurzkonzerten die Gelegenheit gibt, sich und ihre neuen Werke zu präsentieren. So auch am vergangenen Mittwoch…

FluxFM – Die Session

Glücklich bekam ich am vergangenen Dienstag mal wieder eine Mail meiner lieben FluxFM-Freunde, in denen sie mir mitteilten, dass ich es geschafft habe und mit einer Begleitperson auf der Gästeliste für die nächste FluxFM Session am Mittwoch stehe. Das ist nämlich das Ding bei den Flux FM Sessions: Coole Konzerte, coole Location, aber Karten gibt’s nicht zu kaufen, sondern nur zu gewinnen, wenn man sich bei Flux per Mail anmeldet (und manchmal auch kleinere Aufgaben wie irgendwelche Posts auf deren Website komplettiert). Ob man kommen darf, erfährt man in der Regel erst kurz (einen Tag) vorher. Dafür sind die Sessions aber meistens in der Woche abends, wo ich regelmäßig mit meinem inneren Schweinehund um den Gang ins Gym ringe, sodass eine kurzfristig anberaumte FluxFM Session mir immer eine willkommene Ausrede bietet. Am Mittwoch packte ich also mein „+ 1“ und wir zogen bei strömenden Regen (der uns die Spreeterasse verdarb) in den FluxBau. Dabei sind die Flux FM Sessions, selbst wenn noch keine Band eine einzige Note angeschlagen hat, schon eine erlebnisreiche Sozialstudie für sich: Selten sieht man so viele Mädels mit zu einem Dutt hoch gesteckten Haaren und heftiger Rahmenbrille, und Typen mit Rauschebärten und selbst bei 28° Innentemperatur hartnäckig getragener Pudelmütze (manch einer würde diese Spezies als „Hipster“ bezeichnen) auf einem Fleck. Die Atmosphäre ist aber immer sehr entspannt und auch wenn die Hipsterdichte hoch ist, kann man doch sagen, dass das Publikum, insbesondere auch altersmäßig, sehr gemischt ist und man dort eigentlich immer einen sehr angenehmen und gechillten Abend verbringen kann.

Berlin-Fluxbau-FluxFM-Session-Husky

An diesem Mittwochabend standen gleich drei Acts bereit: Den Auftakt machte der New Yorker Solokünstler Tor Miller, ein hübscher Knabe, der nur mit seiner eigenen kraftvollen Stimme und einem ECHTEN Klavier den FluxBau verzauberte. Er war seinerzeit der Grund gewesen, warum ich mich für die Tickets beworben hatte und ich wurde nicht enttäuscht. Der Junge hat beeindruckende Livequalitäten, singt einen mit seinen gefühlvollen Songs über Themen von Heimatstadt (New York) bis Herzschmerz an die Wand und war dabei noch wahnsinnig sympathisch und bescheiden, socializte nach seinem Gig sogar noch mit dem Publikum (was einem im FluxBau aber durchaus häufiger passiert). Der zweite Act, die Band „Husky“ aus Australien, die ich bis dahin nicht kannte, macht anspruchsvollen Indie Folk, der sehr gut gefiel, bei mir persönlich jetzt aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Auf den letzten Act, „Life in Film“ haben wir dann in zweierlei Hinsicht noch mal sehr lange gewartet: Einerseits dauerte der Bühnenumbau für diese Kapelle (das Klavier musste nämlich raus) recht lange, andererseits scheinen „Life in Film“ auch eine Truppe zu sein, die gerne auf sich warten lässt, hat sie doch fast 5 Jahre gebraucht, um ihr Debütalbum, das es seit diesem Freitag zu kaufen gibt, herauszubringen. Ähnliches lässt sich über ihre Deutschlandtourpläne berichten, die sie nun schon mehrfachst verschoben haben, was für FluxFM Anlass genug war, die Jungs nun zu einer FluxFM Session in Deutschland zu „zwingen“. Und das hat sich wirklich gelohnt. Das von ihnen präsentierte erste Album der Indie Rock Band kann sich sehen lassen und dudelt in meinem elektronischen Musik Device der Marke x schon hoch und runter. Gut Ding will Weile haben und mit diesem Ding ist den Engländern wirklich kein ganz kurzer Indie Rock-Wurf gelungen.

Die FluxFM Session war also für mich ein voller Erfolg und ich freue mich schon auf die Nächste. Sollte dieser Artikel nun aber dazu führen, dass ich in Zukunft keine Gästelistenplätze mehr bekomme, weil alle „Berlin ick liebe dir“-LeserInnen sich wie wild auf die FluxFM Sessions bewerben, würd ich mich freuen, wenn mich jemand als sein „+1“ mitnimmt :-D


Adresse vom FluxBau

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